Weihbuschen

„Weihbuschen“ zu Maria Himmelfahrt
Im Jahre 1880 hat Pfarrer Kneipp am 15. August seine berühmte „Kräuterpredigt“ in der Pfarrkirche von Oberkammlach gehalten.
Neun Kräuter des „Weihbuschen“, der an „Maria Himmelfahrt“ in den Kirchen geweiht wird, hat er dabei besonders hervorgehoben:

1)   Die Pfefferminze, die Pflanze der Erfrischung,

2)  den Salbei gegen die Krankheit des Halses,

3)  die Schafgarbe wider die Krankheiten der Lunge,

4)  den Rosmarin, das Beste für das Herz,

5)  den Wermuth als Heilmittel für den Magen,

6)  die Melisse für die Beruhigung,

7)  die Kamille für alle Arten von Entzündungen,

8)  die Ringelblume – ihre Salbe lindert Schmerzen an wehen und wunden Gliedmaßen

9)  und die Königskerze, heilsam bei Asthma und Atemnot.

Die Königskerze ist umgeben von Getreideähren, Wetterdistel und Rohrkolben. Sie bildet den Mittelpunkt des Weihbuschen und ist Symbol für den aufwärts schauenden Glauben und des Vertrauens auf Gott und seine himmlischen Helfer, die Heiligen. Diese Kammlacher Kräuterpredigt Sebastian Kneipps gehört zu jenen großartigen Zeugnissen, durch die der geniale Priesterarzt die Einheit von natürlicher Hilfe durch die in den Heilkräutern enthaltenen Wirkstoffe und das Gottvertrauen auf eben diese Wirkstoffe nahe bringt.

Quelle: Bad Wörishofer Gästezeitung, Ausgabe August 2004, S. 21

lineani arrow_up

Der folgende Beitrag stammt von unserem „Kräuterpapst“ Hermann Schmid vom OGV Baar-Ebenhausen,
der auch bei uns in Rohrbach schon Kräuterwanderungen durchgeführt hat:

Am 15. August beginnt in katholischen Gegenden der Frauendreißiger, eine Zeit der Marienverehrung die bis in den September dauert.
In dieser Zeit sammelte man früher Heil- und Gewürzkräuter für den eigenen Gebrauch. Die benötigten Pflanzen stehen in dieser Zeit in vollem Saft, und haben in allen Teilen die Kraft des zu Ende gehenden Sommers gespeichert.
Am Fest Maria Himmelfahrt die Kräuterweihe vorzunehmen und dem Schöpfer für die Heilkraft der Pflanzen zu danken ist ein weit verbreiteter Brauch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Ursprung dieser Sitte im heidnischen Erntefest der Germanen zu finden ist. Dieses Fest wurde zu Ehren Freyas, der Mutter des Wettergottes Thor gefeiert.

Maria Himmelfahrt galt früher auch als das Hauptfest der Gärtner, Apotheker, der Spezereienhändler und der Parfümeure. In manchen Gegenden nennt man den 15. August auch unserer Frau Wurzweihe oder Büschelfrauentag.

Zum Segnen bringt man an diesem Tag Sträuße aus Heil- und Gewürzkräutern sowie auch Blumen zum Gottesdienst. Kräuter für das Leibeswohl und Blumen zum Heil der Seele.

Seit tausenden von Jahren sammeln die Menschen der ganzen Welt das Wissen über die Heilkraft der Pflanzen und nützen es. Archäologen fanden in Siedlungs- und Grabstätten von China, Indien, Ägypten und Amerika Pflanzenteile und deren Abbildungen als verehrende Beigaben.

Im antiken Griechenland beschrieb der Kräuterarzt Hippokrates schon über 200 heilkräftige Pflanzen. Die botanischen Namen einiger Pflanzen im Kräuterbuschen erinnern an Griechen und Römer wie zum Beispiel, Achillea = Schafgarbe, Helianthum = Sonnenröschen, Andromeda = Rosmarien oder Alchemilla = Frauenmantel.
Die Zahl der für einen Kräuterweihbüschel benötigten Pflanzen schwankt je nach Gegend zwischen 7 und 99.

Getreideähren von Roggen, Weizen und Hafer werden wegen ihrer Wichtigkeit als tägliches Brot eingebunden. Der Rohrkolben erinnert als Symbol an die Leiden Christi. Die Königskerze (Himmelsbrand) darf im Kräuterweihbüschel auf keinen Fall fehlen.

Traditionsgemäß werden Ringelblumen, Thymian, Minze, Kohlkrantzdistel, Wiesenknopf, Salbei, Beifuss und Kamille zur Weihe getragen.
Nach altem Volksglauben werden den geweihten Kräuterbuschen magische Kräfte beigemessen. Der Buschen wird nach der Segnung getrocknet und im Herrgottswinkel, unter dem Dach oder über der Tür aufbewahrt. Bei Bedarf werden dann zur Abwehr von Krankheit oder Viehseuchen einige Kräuter abgezupft und in Getränke oder in das Futter gemischt. Die Abwehr von heranziehenden Unwettern versuchte man früher durch Verbrennen einiger Pflanzen aus dem Kräuterbüschel zu erreichen.

In der heutigen Zeit bemühen sich Gartenbauvereine und Vereine für Brauchtums- und Heimatpflege darum, dass Kenntnisse über unsere Pflanzenwelt und die Bedeutung alten Brauchtums erhalten bleiben, so können wir in „Freude mit der Natur“ leben.

Hermann Schmid, OGV Baar-Ebenhausen

Letzte Änderung am 31.07.2006 TbF