Am Anfang

Am Anfang war der Apfel

Eva brachte Adam auf den Geschmack. Schneewittchen fand so ihren Prinzen. Und auch wir beißen sofort an. Denn das Früchtchen hat es in sich.
Eine Liebeserklärung.apfel_k

Äpfel sind einfach zum Anbeißen: Sie leuchten rot, gelb, grün. Ihr Fruchtfleisch ist so herrlich saftig. Und erst der Geschmack – mal säuerlich-herb, dann wieder zuckersüß. Das Lieblings-Obst der Deutschen (wir knabbern im Jahr durchschnittlich 40 kg pro Kopf) spielt seit ewigen Zeiten auch eine Hauptrolle in vielen Märchen, Mythen und Sagen. Spätestens seit Adam und Eva sind die Früchtchen Symbol der Sünde, aber auch der Liebe und Fruchtbarkeit. Sogar das Fernsehen macht dem Apfel eine Liebeserklärung. Appetit bekommen? Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack.

Woher kommt der Apfel?
Wie viele Sorten gibt es?
Wo wird er angebaut?
Warum gibt es denn so viele christliche Bilder mit Äpfeln?
Wodurch ist der Apfel so berühmt geworden?
Welche Rolle spielt der Apfel in der Mythologie?
Warum aß Schneewittchen ausgerechnet einen Apfel?
Warum schoss Wilhelm Tell einen Apfel vom Kopf?
Welche Bedeutung hat der Apfel in Goethe’s Faust?
Und was ist der Reichsapfel?
Gesundheit zum Anbeißen
Kasachstan – die Wiege des Apfelbaumes
Vom Holzapfel zum Kulturapfel


Woher kommt der Apfel?

Ursprünglich aus Kleinasien, der heutigen Türkei. Von dort aus wurde er über Griechenland nach Italien gebracht. Die alten Römer führten im 6. Jahrhundert den gezielten Apfelanbau in Europa ein. Und erschufen dabei sogar eine Schutzpatronin
für die Baumfrüchte: die Göttin Pomona. Übrigens: Der Apfel (botanisch „malus“) gehört zur Familie der Rosengewächse!

 
Wie viele Sorten gibt es?

Weltweit über 20.000, rund 1.000 davon werden in Deutschland angebaut. In den Handel gehen aber nur 30 bis 40 Sorten. Die fünf beliebtesten sind: der Golden Delicious (goldgelb, süßer Geschmack), Cox Orange (sehr saftig), Boskop (meist rot, schmeckt herb-säuerlich), Granny Smith (hellgrün, eher wenig Aroma) und Jonagold (fein-säuerlicher Geschmack).


Wo wird er angebaut?

Hauptsächlich in Südafrika, Australien, Neuseeland und Chile, Frankreich, Italien, Österreich, den Benelux-Ländern. Und natürlich Deutschland: unter anderem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen (Altes Land), Thüringen, Sachsen und am Bodensee.


Warum gibt es denn so viele christliche Bilder mit Äpfeln?

Welche Symbolik die Frucht trägt, hängt immer stark vom Kontext ab: In den Händen Christi steht sie z.B. für die Erlösung von allen Sünden. Wenn die heilige Familie unter einem Apfelbaum abgebildet ist (wie bei Werken des flämischen Malers Rubens), wird damit auf die Fruchtbarkeit Marias hingewiesen.

 
Wodurch ist der Apfel so berühmt geworden?

Vor allem durch die Geschichte von Adam und Eva: Die ersten Menschen aßen verbotenerweise einen Apfel vom Baum der Erkenntnis, weil sie so sein wollten wie Gott. Daraufhin wurden die beiden aus dem Paradies vertrieben und der Apfel entwickelte sich im Christentum vom Lebensspender zum Objekt der Sünde.
Symbol für Vergänglichkeit und Versuchung.


Welche Rolle spielt der Apfel in der Mythologie?

Der nordischen Sage nach verschenkte die Göttin Iduna goldene Äpfel, um den Empfängern ewige Jugend zu verleihen. Für die Asen, die Götter der Germanen, war der Apfel also ein Jungbrunnen. Für die alten Germanen war er ein Symbol von Leben (aber auch von Tod). Die Griechen sahen in ihm die Liebesfrucht, die Dionysos seiner auserwählten Göttin Aphrodite schenkte. Aber auch den „Zankapfel“, den die Göttin Eris mit der Aufschrift „der Schönsten“ unter die Göttinnen warf, um Streit zu provozieren. Paris, ein trojanischer Königssohn, sollte daraufhin die Entscheidung fällen, wer die Schönste sei: Er nahm Aphrodite und löste damit beinahe den Trojanischen Krieg aus.

 
Warum aß Schneewittchen ausgerechnet einen Apfel?

Weil er als Frucht der Verführung so schmackhaft aussah, dass sie ihm nicht widerstehen konnte. Und die böse Königin damit Schneewittchen vergiftete. Glücklicherweise kam dann der Prinz und rettete sie. „In manchen Märchen heilen Äpfel Krankheiten“, sagt der Literatur-Experte Felix von Bonin. „In anderen wiederum verkörpern sie Schlaf und Tod.“

 
Warum schoss Wilhelm Tell einen Apfel vom Kopf?

Der Sage nach wollte sich der Schweizer im Jahre 1291 nicht vor einem hohen Herrn verbeugen. Zur Strafe musste er einen Apfel mit einer Armbrust vom Kopf seines eigenen Sohnes schießen. Alles ging gut: Doch Wilhelm Tell sagte anschließend, dass er mit seinem zweiten Pfeil den reichen Vogt getötet hätte, wenn der Apfelschuss misslungen wäre. Seither gilt er als Nationalheld und ist ein Symbol der Freiheit.

 
Welche Bedeutung hat der Apfel in Goethe’s Faust?

Er ist eine alte Umschreibung für die weibliche Brust. Faustus sagt in der Walpurgisnacht: „Einst hatte ich einen schönen Traum, da sah ich einen Apfelbaum. Zwei schöne Äpfel glänzten dran, die reizten mich, ich stieg hinan.“ Und seine Liebste (Gretchen) antwortete: „Die Äpfelchen begehrt Ihr sehr, und schon vom Paradiese her, von Freuden fühl ich mich bewegt, dass auch mein Garten solche trägt.“


Und was ist der Reichsapfel?

Im Römischen Reich gehört er neben der Krone, dem Zepter und Schwert zu den Schmuckstücken der Kaiser. Er symbolisierte die Erdkugel (wegen seiner runden Form) und damit die Weltherrschaft seines Besitzers.
Text von Clarissa Schmarje


Gesundheit zum Anbeißen

„An apple a day keeps the doctor away “ einen Apfel pro Tag spart den Arztbesuch! Jedes Kind kennt das alte englische Sprichwort.

Und es stimmt:

  • in einem mittelgroßen Apfel stecken etwa 300 Vitalstoffe!
  • Vor allem jede Menge Vitamin C: Bereits vier Äpfel decken unseren gesamten Tagesbedarf (100 Milligramm). Sie stärken die Abwehrkräfte und nehmen den Kampf gegen Grippe & Co. auf.
  • Die vielen B-Vitamine sind gut für unsere Nerven. Der Trauben- und Fruchtzuckermix vertreibt Müdigkeit und schlechte Laune.
  • Das in Äpfeln enthaltene Pektin senkt nachweislich den Cholesterinspiegel.
  • Die Mischung aus Kalium und Natrium entlastet das Herz und stabilisiert den Kreislauf.
  • Die Apfel-Proteine beugen Gicht vor und schützen vor Nierensteinen.
  • Und nicht nur das: Das frische Obst hilft auch beim Abnehmen. Die Ballaststoffe (z.B. Zellulose) machen satt und fördern die Verdauung. Der hohe Kalium-Anteil entwässert den Körper. Außerdem hat ein Apfel kaum Kalorien: gerade mal 50 kcal pro 100 Gramm!
  • Tipp: Vernaschen Sie Äpfel am besten mit Schale und Gehäuse – darin stecken 70 Prozent der Biostoffe. Wer das nicht mag, kann das Obst auch entsaften. Frischer Most hält sich im Kühlschrank etwa drei Tage.

Quelle: Fernsehwoche 18/04, Seite 4 ff


Im Obstmuseum in Launa (Südtirol) erfahren wir:

Kasachstan – die Wiege des Apfelbaumes
Die Wiege des Apfelbaumes liegt wahrscheinlich in der Sowjetrepublik Kasachstan, mit der Hauptstadt Alma Ata (Stadt des Apfels) an der Grenze zu China. Dort bildet der Apfelbaum auf 900-1200 m Meereshöhe heute noch ausgedehnte natürliche Wälder mit einer großen Vielfalt von verschiedenen Arten und Sorten. Ein zweites natürliches Zentrum des Apfels und der Birne liegt im Kaukasus. Von diesen ursprünglichen Genzentren aus haben sich beide Obstarten auf natürliche Weise und mit Hilfe des Menschen in nahezu alle Welt ausgebreitet. Auch in den Alpen kann man – mit etwas Glück – an feuchten, sonnigen Stellen den Holzapfel und die Holzbirne als natürliche Komponenten des Laubwaldes finden.


Vom Holzapfel zum Kulturapfel

Die Geschichte des Obstanbaues beginnt mit der Veredelung der wildwachsenden Holzäpfel und Holzbirnen durch den Menschen. Dies erfolgte in Europa wahrscheinlich bereits während der Bronzezeit (ab ca. 1800 v. Chr.). Neben verschiedenen Getreidesorten lassen sich im archäologischen Fundbild unseres Landes vereinzelt auch Samen von Holz- und Kulturäpfeln, sowie von anderen Früchten nachweisen. Zahlreiche Nachrichten über das Vorkommen von Edelobst (Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen) gibt es für den Alpenraum aus römischer Zeit. Der Ältere Plinius (23-75 n. Chr.) zählt bereits 21 Apfel- und 41 Birnensorten auf. Es ist nicht auszuschließen, dass einige davon auch in den römischen Landgütern in und um Launa gezogen wurden.

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